Ehrenamt in Schleswig-Holstein stärken: lagfa-Mitglieder entwickeln Strategien für mehr Sichtbarkeit
Wie gelingt es, die Bedeutung des Ehrenamts sichtbar zu machen – für die Öffentlichkeit, für politische Entscheidungsträger*innen und für potenzielle Engagierte? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Mitglieder der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen Schleswig-Holstein (lagfa SH) bei einer Fortbildung zur Öffentlichkeitsarbeit am 16. Juni 2026 in Neumünster.
Die Veranstaltung richtete sich exklusiv an die Mitgliedsorganisationen der lagfa SH und bot praxisnahe Impulse für eine wirksame Kommunikation rund um freiwilliges Engagement. Referentin war Julia Bousboa, Pressesprecherin beim PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein.
Wie erreichen wir die Menschen?
Im Mittelpunkt des Workshops stand die Frage, wie Organisationen ihre Zielgruppen gezielt ansprechen und ihre Botschaften wirkungsvoll vermitteln können. Gemeinsam analysierten die Teilnehmenden, wie Geschichten aus dem Ehrenamt erzählt werden können, damit sie sich für eine zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit eignen.
Dabei wurde schnell deutlich: Gute Arbeit allein reicht nicht aus. Damit die Leistungen von Freiwilligen und Engagementstrukturen gesellschaftlich wahrgenommen werden, braucht es strategische Kommunikation, klare Botschaften und die Bereitschaft, die eigene Arbeit sichtbar zu machen.


Mit Blick auf die Landtagswahl 2027
Über die klassischen Fragen der Öffentlichkeitsarbeit hinaus beschäftigten sich die Teilnehmenden auch mit einer politischen Perspektive: Wie kann das Thema Ehrenamt im Vorfeld der kommenden Landtagswahl in Schleswig-Holstein stärker in den öffentlichen Diskurs eingebracht werden?
Gemeinsam wurde diskutiert, wie die lagfa SH und ihre Mitglieder die Anliegen freiwillig Engagierter sichtbar machen können. Im Fokus standen dabei die langfristige Sicherung von Engagementstrukturen, verlässliche Förderbedingungen und die Frage, wie Politik und Gesellschaft den Wert des Ehrenamts stärker anerkennen können.
Denn freiwilliges Engagement ist keine Selbstverständlichkeit. Es braucht Menschen, die ihre Zeit und ihr Wissen einbringen – und es braucht Organisationen, Freiwilligenagenturen und Ehrenamtsbüros, die dieses Engagement begleiten, vermitteln und unterstützen.
Ehrenamt bleibt unverzichtbar
Wie wichtig diese Strukturen sind, zeigen aktuelle Zahlen des Deutschen Freiwilligensurveys 2024: Bundesweit engagieren sich 36,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren freiwillig – das entspricht rund 27 Millionen Menschen. Damit bleibt das Engagementniveau trotz eines leichten Rückgangs gegenüber 2019 auf einem sehr hohen Stand. Gleichzeitig investieren Engagierte heute sogar mehr Zeit in ihre Tätigkeit als noch vor fünf Jahren.
Auch in Schleswig-Holstein ist das Ehrenamt eine tragende Säule des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Nach Angaben der Landesregierung engagiert sich rund ein Drittel der Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner freiwillig – mehr als eine Million Menschen.
Zugleich stehen viele Vereine, Initiativen und Engagementförderstrukturen vor Herausforderungen: Der demografische Wandel, veränderte Formen des Engagements und die Gewinnung neuer Freiwilliger erfordern langfristige Unterstützung und verlässliche Rahmenbedingungen. Auch das Land Schleswig-Holstein verweist darauf, dass insbesondere der Ausbau von Vernetzungs- und Unterstützungsstrukturen eine zentrale Zukunftsaufgabe bleibt.
Gemeinsam für ein starkes Ehrenamt
Die Fortbildung in Neumünster machte deutlich: Öffentlichkeitsarbeit ist weit mehr als Werbung in eigener Sache. Sie schafft Sichtbarkeit für Menschen, die sich für andere einsetzen, stärkt die Anerkennung freiwilligen Engagements und trägt dazu bei, die gesellschaftliche Bedeutung des Ehrenamts ins Bewusstsein zu rücken.
Mit Blick auf die bevorstehenden politischen Debatten und die Landtagswahl wird die lagfa Schleswig-Holstein diesen Austausch mit ihren Mitgliedern fortsetzen. Denn wer das Ehrenamt stärken will, muss auch darüber sprechen – laut, sichtbar und gemeinsam.

Fotos: Charlotte Reimann / lagfa SH