Was das Ehrenamt jetzt von der Politik braucht
Eine Rede von Alexandra Hebestreit
Die Landesregierung hat das Ehrenamt am 1. September 2026 zum Schwerpunkt ihrer auswärtigen Kabinettssitzung in Itzehoe gemacht. Unter den Expertinnen und Experten, die zum Thema Ehrenamt gehört wurden, war Alexandra Hebestreit, Mitglied der Geschäftsführung der lagfa SH.
Ihre Rede hier im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder der Landesregierung
zunächst mein herzlicher Dank für die Gelegenheit, heute hier sprechen zu dürfen.
Mein Name ist Alexandra Hebestreit und ich bin Mitglied der Geschäftsführung der lagfa, der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen in Schleswig-Holstein.
Mit inzwischen 51 Mitgliedsorganisationen ist die lagfa die landesweite Interessenvertretung und bildet gleichzeitig die Fach- und Vernetzungsstruktur für Ehrenamt und Engagementförderung in Schleswig-Holstein. Mit mehr als 42 Fachveranstaltungen mit insgesamt über 1000 Teilnehmenden, sowie der jährlichen Engagementkonferenz als der landesweiten Großveranstaltung für das Thema Engagement, hat sich die lagfa zur zentralen Ansprechpartnerin für Engagementförderung in unserem Land entwickelt
Sie wird gebraucht. Und sie wirkt!
Die lagfa verbindet Kommunen, Freiwilligenagenturen, Wohlfahrtsverbände, Initiativen und weitere Akteure. Sie bündelt Erfahrungen und Wissen. Sie berät, qualifiziert und vernetzt.
Als strategische Partnerin der Engagementstrategie Schleswig-Holstein ist sie wichtiges Verbindungsglied zwischen der Landesregierung und den Strukturen der Engagementförderung im Land.
Wenn wir über die Stärke unserer Demokratie sprechen, sprechen wir nicht nur über Wahlen, Parlamente und politische Institutionen. Demokratie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, sich einbringen, mitgestalten und gemeinsam Lösungen finden – Demokratie lebt vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger,
Demokratie lebt vom „Mitmachen“.
Aber Engagement und Ehrenamt sind keine Selbstverständlichkeit. Menschen, die sich engagieren wollen, brauchen Ansprechpartner, brauchen Begleitung, Beratung, Vernetzung und gute Rahmenbedingungen. Vereine und Initiativen brauchen Unterstützung. Kommunen brauchen Partner, insbesondere dort, wo eigene Fachstrukturen fehlen.
Wir erleben gerade viele Krisen und Bedrohungslagen. Die Entwicklung tragfähiger Konzepte für den Zivil- und Bevölkerungsschutz hat durch die veränderte globale Sicherheitslage höchste politische und gesellschaftliche Priorität erlangt.
Ein wichtiger Baustein dabei sind Spontanhelfende.
Jede Krise der letzten Jahre hat gezeigt, wie groß die Engagementbereitschaft in Schleswig-Holstein ist! Die Möglichkeit, sich spontan einzubringen und zu engagieren, ist ein auch psychologisch wichtiges Mittel für Menschen, ihrer gefühlten Machtlosigkeit, ihrer Ohnmacht durch eigene Tatkraft etwas entgegensetzen zu können. So haben sich bei Ausbruch des Ukrainekrieges allein im nettekieler Ehrenamtsbüro rund 800 Menschen innerhalb der ersten Woche gemeldet, die sich spontan engagieren wollten und konnten.
Damit diese Hilfsbereitschaft nicht ins Leere läuft – deshalb sind Strukturen und feste Ansprechpartner*innen so wichtig. Wenn wir in Krisen spontan handlungsfähig sein und bleiben wollen, brauchen wir jetzt stabile, krisenfeste und nachhaltige Strukturen!
Und lassen Sie mich noch einen weiteren Punkt einbringen:
Wir alle schauen derzeit mit großer Sorge auf den Ausgang der kommenden Landtagswahlen. Antidemokratische Tendenzen haben traditionell wenig Interesse an einer starken Zivilgesellschaft. Ehrenamt ist ein wichtiger Baustein einer starken Zivilgesellschaft und Engagementförderung ist Demokratiestärkung.
Als Mitglied der Geschäftsführung kann ich sagen, Schleswig-Holstein ist mit seiner Engagementstrategie im Ländervergleich auf einem sehr guten Weg! Die Engagementstrategie hat in den letzten Jahren gute und wichtige Strukturen der Engagementförderung in ganz Schleswig-Holstein schaffen können, die lagfa SH ist eine davon! Dafür möchte ich der Landesregierung im Namen aller Partnerinnen und Partner der Engagementstrategie danken!
Jetzt gilt es, diese Strukturen langfristig zu sichern und nachhaltig aufzustellen! Lassen Sie uns gemeinsam dafür Sorge tragen!
Gerade mit Blick auf die kommende Landtagswahl sollten wir diese Aufgabe über einzelne Wahlperioden hinausdenken.
Die Stärkung unserer Demokratie endet nicht mit einer Legislaturperiode.
Demokratie ist eine Daueraufgabe. Engagementförderung ist eine Daueraufgabe.
Und deshalb muss auch die Sicherung ihrer Strukturen langfristig angelegt sein.
Daher unser Wunsch und unsere Bitte an Sie: Lassen Sie uns gemeinsam den erfolgreichen Weg der vergangenen Jahre in eine nachhaltige Zukunft überführen.
Lassen Sie uns die lagfa SH und die Strukturen der Engagementförderung jetzt sichern und festigen – politisch, organisatorisch und finanziell.
Wer Ehrenamt stärken will, muss die Strukturen stärken, die Ehrenamt ermöglichen – und zwar für jeden und jede.
Und:
Wer diese Strukturen nachhaltig sichert, stärkt unsere Demokratie –
Heute – 2027 – und weit darüber hinaus.
Herzlichen Dank.